Grußwort 30 Jahre VdG – 30 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag

05.10.2021

anlässlich des Jubiläumskonzertes in Kattowitz am 9. Oktober 2021

Grußwort Egon Primas, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Thüringen und Bundesvorsitzender der OMV der CDU/CSU
am 9. Oktober 2021 in der Philharmonie Kattowitz

Lieber Herr Gaida, lieber Herr Bartek,
lieber Herr Lippa, lieber Helmut Sauer,
liebe Freunde und Landsleute aus den Reihen der deutschen Minderheit,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

haben Sie vielen Dank für die Einladung zu dieser eindrucksvollen Veranstaltung anlässlich des 30. Jubiläums des VdG und des 30. Jahrestages der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages.

Herzlich grüßen darf ich Sie alle hier vom Präsidium des Bundes der Vertriebenen – insbesondere vom BdV-Präsidenten Dr. Bernd Fabritius – sowie aus Thüringen vom gesamten BdV-Landesvorstand.
Uns Thüringer verbindet ja – auch „hochoffiziell“ – mit dem VdG eine schon mehr als 25-jährige, sehr fruchtbare Freundschaft und Zusammenarbeit. Dafür sind wir sehr dankbar.
Musik, meine Damen und Herren, kennt keine Grenzen. So war es, so ist es – und so wird es immer sein.

Heute steht auf dem Programm Beethovens „Ode an die Freude“ – die offizielle Europa-Hymne.
Beethoven war ein Bonner, der aber in Wien berühmt wurde. Durch seine Mäzene Carl Fürst von Lichnowsky und Franz Joachim Reichsgraf von Oppersdorf war er auch immer wieder zu Gast in Schlesien bzw. Mährisch Schlesien. In Oberglogau sind wohl große Teile seiner 5. Sinfonie entstanden. Franz Lehár wiederum war ein Kind Österreich-Ungarns, geboren in Komorn – in der heutigen Slowakei. Seine Operetten gehören auf der ganzen Welt zum Standard-Repertoire der klassischen Unterhaltungsmusik. Und Josef Brahms stammte aus Norddeutschland, aus Hamburg. Sein Weg führte ihn über Detmold nach Wien. Er war Träger der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau und widmete dieser Universität als Dank zwei Ouvertüren.

Auch Leben und Werk der anderen Komponisten stehen für sich und bestätigen: 
Musik kennt keine Grenzen. Musik will die Menschen ins Herz treffen – sie anrühren, sie zum Lachen bringen, zum Weinen, zum Tanzen oder zum Innehalten.
Musik ist Kultur. Musik machen wiederum stiftet Gemeinschaft – und über die Gemeinschaft auch Identität. Musik kann Brücken bauen.
Und gerade darum ist es gut, dass die heutigen Jubiläen mit Musik begangen werden, meine Damen und Herren. Brücken zwischen Ländern, zwischen Kulturen oder zwischen Sprachen brauchen wir zu allen Zeiten. Auch heute. Und Sie als VdG – und auch wir als BdV, wenn ich das sagen darf: Wir sind Brückenbauer!

Wir sind – einzeln und gemeinsam – Mit-Architekten einer stabilen und friedlichen Zukunft in Europa.
Der VdG mitsamt der ihm angeschlossenen sozial-kulturellen Gesellschaften in ganz Polen ist eine nunmehr 30-jährige Erfolgsgeschichte.

Sicher gibt es da immer wieder auch Hindernisse und Herausforderungen, die überwunden werden mussten und müssen.
Und doch bleibt die Arbeit Ihrer Organisation insgesamt eine Erfolgsgeschichte, die unbedingt fortgesetzt werden muss:

- weil sie Kultur- und Sprachidentitäten sichert,
- weil sie Vielfalt gerade dort sichtbar macht, wo Einfalt sie verhindern will.

Das gilt ebenso für den Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag: Auch das ist eine Erfolgsgeschichte.

Ja, im BdV und in der deutschen Politik hatten so manche zu Beginn dabei Magenschmerzen.

Aber ich will es ganz deutlich sagen: Das war keine Ablehnung des Nachbarschaftsvertrages insgesamt und auch keine Ablehnung Polens.

Es ging darum, dass aus der Sicht vieler damals Verantwortlicher gerade Ihre Anliegen als Deutsche in Polen noch stärker gewürdigt werden sollten.

Sobald der Vertrag geschlossen war, haben Sie hier – und haben wir in Deutschland – viel dafür getan, ihn zu einem Erfolg zu machen.

Einen Mann, der sich immer für seine Landsleute in der Heimat engagiert hat, wollen Sie heute für seinen Einsatz ehren: unseren Freund Helmut Sauer.

Lieber Helmut, Du bist mein Amtsvorgänger als OMV-Bundesvorsitzender, warst viele, viele Jahre BdV-Vizepräsident und hast die Vertriebenenpolitik und auch den „Blick über die Grenze“ – wenn man so will – entscheidend mitgeprägt. Du warst und bist Schlesier mit Leib und Seele. Deine heutige Ehrung ist mehr als verdient.

Meine Damen und Herren, ich will es hier abkürzen:
Wir wollen unsere gemeinsame Arbeit fortsetzen. '
Wir wollen im Dialog bleiben – darüber, wo der Schuh drückt, und auch darüber, wo Gutes erreicht wurde und wie es vermehrt werden kann.
Wir wollen die wichtige Arbeit des VdG – diese Erfolgsgeschichte – für die Zukunft sichern.
Und wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass das deutsch-polnische Verhältnis ein gutes bleibt – und noch besser wird.

Dies wünsche ich mir für uns alle hier.

Vielen Dank.