Tag der Heimat 2012: Erbe erhalten – Zukunft gestalten

14.09.2012

Etwa 1.000 Funktionsträger des Bundes der Vertriebenen (BdV) waren am 9. September 2012 ins Berliner ICC gekommen, um gemeinsam mit ihrer Präsidentin Erika Steinbach MdB (CDU) die Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat zu begehen, der in diesem Jahr unter dem Leitwort „Erbe erhalten - Zukunft gestalten" steht.

Bouffier: Zukunft braucht Herkunft

Die Festansprache hielt der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier MdL (CDU). Mit Bezug zum Motto des Tags der Heimat erinnerte Bouffier an den Philosophen Odo Marquard, der einst den Satz „Zukunft braucht Herkunft" geprägt hatte und sagte dazu: „Die Chance, Zukunft zu gewinnen, hat man, wenn man die Herkunft kennt. Deshalb haben wir die Verpflichtung, jungen Menschen, die weder verwandtschaftliche Bindungen noch persönliche Erfahrungen besitzen, die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg nahezubringen." Ausdrücklich wendete er sich gegen Unrechts- und speziell die Benes-Dekrete, die eine europäische Verständigung noch immer behindern. Gemeinsam mit der BdV-Präsidentin erneuerte Bouffier die Forderung nach einer Entschädigung für die deutschen Zwangsarbeiter nach dem Zweiten Weltkrieg und mahnte die Umsetzung der Beschlüsse von Bundesrat und Bundestag zu einem „Nationalen Gedenktag für die Opfer von Vertreibung" an.

Steinbach: Kultur- und Siedlungsgeschichte lebendig erhalten

Erika Steinbach machte in ihrer Rede deutlich, dass das Erbe der Vertriebenen keineswegs ausschließlich die Sammlung persönlicher Vertreibungsschicksale sei. Vielmehr bestehe das Erbe darin, die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte Mittel- und Osteuropas lebendig zu erhalten, denn diese sei „ein Schatz und für alle Deutschen unverzichtbar." Unserer europäischen Vergangenheit müsse man sich „in all ihren Facetten gemeinsam stellen und in voller Kenntnis unsere europäische Zukunft daraus gestalten."

Geistliches Wort - Grußbotschaft des Papstes

Das geistliche Wort sprach Prälat Dr. Karl Jüsten, der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe „Katholisches Büro in Berlin". Prälat Jüsten erinnerte an die Worte Davids im Psalm 18 „an dem Aufrichtigen handelst du recht" und verdeutlichte daran, dass der Maßstab für die Erinnerung an historische Ereignisse nur die Wahrhaftigkeit sein könne. Ohne diese sei eine Annäherung an eine möglichst objektive Wahrheit „im Dialog, unter Hinzuziehung historischer Fakten und Quellen" unmöglich.

In einer schriftlichen Grußbotschaft wendete sich Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer und spendete ihnen Segen. Er wies darauf hin, dass Menschen stets nur das bewahren und an zukünftige Generationen weitergeben, was sie für besonders wertvoll erachten; dies gelte nicht nur für die materiellen Werte.

Bildunterschrift 4. Bild:
Beim Tag der Heimat in Berlin im Gespräch (v.l.): der OMV-Bundesvorsitzende und BdV-Vizepräsident Helmut Sauer (Salzgitter), der Visitator für die Priester und Gläubigen aus dem ehemaligen Erzbistum Breslau und dem ehemaligen Generalvikariat Branitz Pfarrer Dr. Joachim Giela, der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe „Katholisches Büro in Berlin“ Prälat Dr. Karl Jüsten

Bildunterschrift 5. Bild:
Beim Tag der Heimat in Berlin würdigte die Bevollmächtigte des Landes Niedersachsen beim Bund, Frau Staatssekretärin Dr. Martina Krogmann, die über 60 Jahre bestehende Partnerschaft des Landes mit den Schlesiern und überbrachte Grüße von Ministerpräsident David McAllister MdL (v.l.): der OMV-Bundesvorsitzende und BdV-Vizepräsident Helmut Sauer (Salzgitter), die Leiterin der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin StS Dr. Martina Krogmann, BdV-Vizepräsident Wilhelm von Gottberg, BdV-Präsidentin Erika Steinbach MdB, der niedersächsische BdV-Landesvorsitzende Oliver Dix und der Visitator für die Priester und Gläubigen aus dem ehemaligen Erzbistum Breslau und dem ehemaligen Generalvikariat Branitz Pfarrer Dr. Joachim Giela